Die CDU Niebüll setzt sich für den Bildungsstandort Niebüll ein!

Eine ganze Stadt begeistert sich für Bildung
Mit Beteiligung zum Erfolg
Niebüller erklären: Wir sind Bildung
„Schön, weit, oben“, so heißt der Slogan der Stadt Niebüll. Die an der Nordsee gelegene Kleinstadt
mit 9.300 Einwohnern ist ein zentraler Ort in einem ländlich geprägten Raum. Als Unterzentrum mit
Teilfunktionen eines Mittelzentrums hat die Küstenstadt einen Versorgungsbereich von knapp 50.000
Einwohnern. Niebüll verzeichnet steigende Einwohnerzahlen. Einflussfaktoren wie die Nähe zur Insel
Sylt und die für Wirtschaft und Handel günstige Verkehrsanbindung wirken sich positiv aus. Vor allem
bietet die Stadt gerade jungen Familien eine optimale Infrastruktur, angefangen von Krippenplätzen,
Kitas, über Grundschulen bis hin zu allen weiterführenden Schularten. Niebüll ist ein großer
Schulstandort und versorgt 10.000 Schüler aus dem Ort selbst und den umliegenden Gemeinden.

Niebüll wächst, Bildung ist wichtiger Standortfaktor

Von daher ist es logisch, die vorhandenen Strukturen zu nutzen und konsequent weiter auszubauen.
Der Bürgermeister der Stadt Niebüll, Wilfried Bockholt, ist von einem umfassenden Bildungskonzept
überzeugt: „Bildung ist mehr als Schule. Zum einen kann der Schulträger nicht alles leisten,
außerdem wollen wir auch die Defizite außerhalb des Klassenraums ausgleichen. Eigentlich soll in
Niebüll keiner mehr aus dem Thema Lernen rauskommen.“ Am 11. November 2010 fasst die
Stadtvertretung den Beschluss, den Bildungsstandort Niebüll zu stärken. „Wir nehmen unsere Rolle
sehr ernst und verstehen Bildung als permanenten Prozess, der neben Schule alle potenziellen
Bildungsträger wie Kitas, Vereine, die offene Jugendarbeit, Museen, Bücherhallen etc. umfasst. Und
deshalb haben wir uns auch beteiligt, als das Land Schleswig-Holstein und die Deutsche Kinder- und
Jugendstiftung die Teilnahme am Programm „Bildungslandschaften zwischen den Meeren“
ausgeschrieben haben“, sagt der Bürgermeister einer Stadt, die auch im Bereich Inklusion weit vorne
ist. Seit vielen Jahren sorgt Niebüll für Strukturen, die das Leben und Arbeiten von Menschen mit
Behinderungen unterstützen. Zum Beispiel mit den ‚Mürwiker Werkstätten‘, die 300 Arbeitsplätze
bieten, davon 250 für Menschen mit Behinderung. „Menschen mit Behinderung gehören hier seit
langem zum gewohnten Stadtbild. „Wir leben Inklusion“, freut sich der Bürgermeister.
Niebüll wird Modellkommune: Programm-Auftakt in der Jugendherberge
2011 wird Niebüll Modellkommune in dem Programm „Bildungslandschaften zwischen den Meeren“.
Der Auftakt mit etwa 70 Teilnehmern – Bürgern und Bildungsakteuren – ist am 29. Oktober 2011 in
der örtlichen Jugendherberge. „Das war fantastisch“, schwelgt Bürgermeister Bockholt in Erinnerung
an den gelungenen Programmstart. Und auch für Judith Horn, verantwortlich für Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit beim Amt Südtondern, ist diese Veranstaltung ein Meilenstein. Sie kommt per
Zufall dazu: „Der Amtsdirektor fragte mich, ob ich einen Workshop betreuen könnte, der an einem
Wochenende stattfindet. Ich sagte ja.“ Zufall oder nicht, immerhin ist die Verwaltungsangestellte
neben der Öffentlichkeitsarbeit auch für Beteiligungsverfahren und Rechtsfragen zuständig und
fungiert als Demografiebeauftragte in der Region. Vier Handlungsfelder kristallisieren sich im
Oktober 2011 heraus: Leitbild, Beteiligung, Übergänge und Kooperation der Ganztagsschulen am
Nachmittag. Für jedes Thema gründen sich etwa 15 bis 20 Personen umfassende
Arbeitsgemeinschaften und es findet sich jemand, der diese AGs in den nächsten Monaten
moderiert. Eine Lenkungsgruppe koordiniert den Gesamtprozess, der über alle Bereiche hinweg
insgesamt zwei Jahre dauern wird. Anfang 2012 machen sich die vier Arbeitsgruppen auf den Weg.
Bis auf eine Arbeitsgruppe, die AG zur Ganztagsschule, kommen drei Vorhaben ans Ziel.
AG Leitbild: „Eine Stadt bekennt sich zum lebenslangen Lernen“
Die AG Leitbild unter der Moderation von Juliane Ebberg-Suhr realisiert ihren Auftrag früh. Schon im
Sommer 2012 wird die „Niebüller Erklärung“ verabschiedet. Bildung wird in Niebüll gemeinsam
verantwortet. In der Stadt ist eine Bewegung für Bildung entstanden, die für eine breite
Unterstützung sorgt. Bürgermeister Bockholt ist zufrieden: „Es stellt sich ja immer die Frage: Was
brauchen wir zuerst, Huhn oder Ei, Struktur oder Projekt? Ich halte es für sehr sinnvoll, eine
Grundlage zu schaffen und in der Stadtkultur zu verankern.“ Der ohnehin große Zusammenhalt in der
Stadt werde so noch mehr gefördert und außerdem helfe die Leitlinie als Orientierung bei
Haushaltberatungen.
AG Übergänge: „Wer macht was mit wem bis wann?“
Die AG Übergänge will das Bewusstsein für Bildung im frühen Kindesalter bei jungen Eltern schärfen.
Axel Scholz, Leiter des Jobcenters Nordfriesland und Moderator der AG beschreibt seine Rolle:
„Meine Aufgabe war es, die Arbeitsgruppe zusammenzuhalten und fachliche Impulse zu geben.
Getagt haben wir alle sechs, acht Wochen, immer eineinhalb Stunden mit Tagesordnung,
Moderationstechnik, Visualisierung und anschließendem Protokoll. Wichtig ist, Verabredungen
festzulegen: Wer macht was mit wem bis wann?“ Die Gruppe ist von Anfang an sehr an Output
orientiert und macht „ziemlich Dampf“. Sie will Produkte liefern und organisiert schon 2012 einen
Tag der offenen Tür aller Kitas in Niebüll. Ein Flyer in vier Sprachen – deutsch, englisch, französisch
und russisch – fasst die wichtigen Kernbotschaften zusammen. „Wir wollten ankommen, verstanden
werden. Wenn eine Familie vor der Frage steht, ob und in welchen Kindergarten ihr Kind geht, dann
soll sie damit nicht allein gelassen werden“, so Axel Scholz.
„Mein schönstes Erlebnis und auch Salz in der Suppe“
Die Aktion kommt an, der Tag der offenen Tür ist ein Highlight. Viele Niebüller Eltern nehmen ihr
Wunsch- und Wahlrecht wahr, schauen sich die Kitas an, lernen verschiedene pädagogische
Konzepte kennen. Am Tag der Offenen Tür reist Axel Scholz von Kindergarten zu Kindergarten und
schaut sich an, was sich die einzelnen Einrichtungen ausgedacht haben. Er erzählt: „Ich habe mit
einer Mutter geredet. Sie war völlig begeistert von dem vielfältigen Angebot. Das war mein schönstes
Erlebnis und auch das Salz in der Suppe.“
„Etwas für meine Stadt tun“
Axel Scholz will Eltern entscheidungsfähig machen und ihre Kompetenzen stärken, und zwar von
Anfang an. Als Leiter des Jobcenters Nordfriesland sieht er häufig die Situation von Menschen mit
niedrigen Bildungsabschlüssen. „Ich wollte präventiv etwas machen, ganz früh anfangen mit der
Chancengleichheit. Außerdem will ich etwas für meine Stadt tun.“ Stolz ist er, dass die Arbeit der AG
Früchte trägt und etwas dauerhaft bleibt.
AG Beteiligung: „Über Umwege zum Ziel“
Ganz anders ergeht es der AG Beteiligung, die nicht so schnell ins Handeln kommt und zunächst eine
kleine Odyssee erlebt. Nach dem gelungenen Programmauftakt in der Jugendherberge glaubt die
Gruppe fest an das Thema und steckt sich das Ziel, insbesondere die Partizipation von Kindern und
Jugendlichen zu stärken. Aber es gibt es einen Dämpfer. Judith Horn berichtet: „Wir hatten einen
Workshop zum Thema Beteiligung geplant und alle Vereine angeschrieben. Niemand kam.“ Die
Enttäuschung sitzt tief. Doch dann kommt Auftrieb. Gemeinsam mit anderen
Arbeitsgruppenmitgliedern fährt die Amtsrätin in die Akademie Sankelmark, zu einer Fortbildung, die
der Partizipationsexperte Carsten Röder im Rahmen des Programms „Bildungslandschaften zwischen
den Meeren“ durchführt. Die Gruppe fasst neuen Mut. Judith Horn: „Die Fortbildung hat bei uns
sofort eine Handlungsorientierung ausgelöst: Wir brauchen vor Ort Begleitung durch einen externen
Experten. Das war die Idee.“ Von Carsten Röder erhalten sie einen Tipp. In Rosengarten, einer
kleinen Gemeinde südlich von Hamburg, gäbe es einen geeigneten Anbieter.
Die Wende: „Reise nach Rosengarten“
Die Lenkungsgruppe, die von der Notwendigkeit externer Unterstützung überzeugt wurde,
entscheidet, Geld in die Hand zu nehmen und den Anbieter „Planen mit Phantasie“ anzusprechen. An
einem Tag im Sommer 2012 machen vier Mitglieder der Lenkungsgruppe eine Reise nach
Rosengarten. Es sind Gesche Zimmermann, Fraktionsvorsitzende der Grünen in Niebüll und
Sprecherin der AG Beteiligung, Bürgervorsteher Uwe Christiansen, Judith Horn und Bürgermeister
Wilfried Bockholt. „Es war ein heißer Tag und wir hatten keine Klimaanlage im Auto. Aber das war
uns egal. Das Vorgespräch war so toll und hat uns so viel gegeben“, erinnert sich Gesche
Zimmermann. Auch die Experten Jens Zussy und Claudia Brunsemann von „Planen mit Phantasie“
haben gleich zu Beginn des Projektes ein gutes Gefühl: „Dass ein vielbeschäftigter Bürgermeister mit
seinen hochmotivierten Mitarbeiter die weite Strecke von Niebüll bis nach Rosengarten in
Niedersachsen fährt – immerhin über 200 Kilometer mit dem heimtückischen und unberechenbaren
Elbtunnel dazwischen – hat uns imponiert. Da wussten wir, dass es die Niebüller wirklich ernst
meinen mit der Partizipation“.
Der Durchbruch: „Externe Moderation war ein Glücksgriff“
Danach geht es alles gut. Innerhalb nur weniger Monate führt die AG vier verschiedene Workshops
mit Unterstützung der Experten aus Rosengarten durch. Formuliert werden folgende Ziele:
Beteiligung wieder ins Gespräch bringen, Menschen zu dem Thema zusammenführen, erste
praktische Schritte in Richtung einer gemeinsamen Beteiligungskultur gehen sowie Kinder und
Jugendliche aktiv mit einbeziehen. Das Prinzip der Moderatoren: Sie sehen die Teilnehmer als
Experten in eigener Sache und setzen aktivierende Methoden ein. Claudia Brunsemann erläutert das
Vorgehen: „Nach dem Motto ‚Gemeinsames Handeln statt nur zu reden‘ haben wir die verschiedenen
Partner – Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie Fachexperten – früh zusammengebracht.“ Aber
zunächst hat jede der Gruppen eigene Orte und Zeiten, um nach den ganz eigenen Bedürfnissen am
Thema zu arbeiten. Den Start bildet am 27. Oktober 2012 eine Planungswerkstatt „Beteiligungskultur
entwickeln, aber wie?“ Etwa 15 erwachsene pädagogische Begleiter werden in Grundlagen und
Methoden der Partizipation geschult. Jugendliche sind bereits im zweiten Teil der Werkstatt dabei,
um als Multiplikatoren für den anschließenden Workshop sensibilisiert zu werden. Dieser folgt kurz
darauf: Am 10. November 2012 arbeiten 20 Kinder und Jugendliche selbst in einer
Zukunftskonferenz, um eigene Ideen für ihre Stadt zu entwickeln. Und nur zwei Wochen später, am
24. November 2012, findet das gleiche Format mit Erwachsenen statt. „Es war eine schnelle Taktung.
Aber das war unser Ziel, schnell weiterkommen, sonst verliert man sie wieder“, begründet Amtsrätin
Horn den Zeitplan. Den Höhepunkt der Partizipationsworkshops bildet ein gemeinsamer
Planungszirkel am 18. Februar 2013, bei dem die Ergebnisse aus beiden Zukunftskonferenzen von
Menschen zwischen 11 und 90 Jahren in konkrete Maßnahmen überführt werden. Die Niebüller sind
sich einig: „Die externe Moderation war ein Glücksgriff“. Die Bildungsplaner freuen sich über ihre
Erkenntnis, „nicht alles aus eigenen Stücken machen zu wollen, sondern Menschen mit besonderen
Qualifikationen ins Team geholt zu haben“.
„Einfach toll“: Kinder und Jugendliche entwerfen „ihr“ Niebüll
Wie kann Niebüll für Kinder und Jugendliche noch attraktiver werden? In der Werkstatt „Niebüll wird
Jugendfit“ planen Kinder und Jugendliche und entwerfen „ihr“ Niebüll. Sie werken und basteln und
entwickeln konkrete Visionen. Ergebnis sind vier Modelle: „Kirchenkreis Jugendvertretung (KKJV) “,
„Buntes Niebüll“, „Heavy-Metal-Raum“ und „Shopping-Center“. Die Zukunftskonferenz geht allen zu
Herzen. „Und da war dann eine junge Frau, die hat das so toll vorgestellt. Uns lief ein Schauer über
den Rücken und wir waren einfach nur stolz.“ Was den Bildungsplanern so lebhaft in Erinnerung
bleibt, ist vor allem der Mut, mit dem Kinder und Jugendliche sich einbringen und den Erwachsenen
aufzeigen, was ihnen fehlt. Moderator Jens Zussy: „Wir hatten den Eindruck, dass daraus für die
Zukunft etwas Nachhaltiges resultieren wird, weil die Jugendlichen extrem engagiert waren. Sie
haben den Erwachsenen vor Ort sehr imponiert und bei ihnen offene Türen eingerannt.“ Und
Bürgervorsteher Uwe Christiansen fasst das Erlebnis enthusiastisch zusammen: „Die Beteiligung von
Kindern und Jugendlichen – ich finde das einfach toll.“
Kinder- und Jugendbeirat: „Niebüll braucht dich“
Eine ganze Stadt freut sich über ihre Kinder und Jugendlichen. Die Workshops zeigen unmittelbare
Erfolge und führen zum nächsten Schritt. Bürgermeister Bockholt: „Unser bestes Ergebnis, und da
sind wir einfach rundherum stolz, ist unser Kinder- und Jugendbeirat.“ Steven Nowak ist Schüler des
Niebüller Gymnasiums Friedrich-Paulsen-Schule. Er ist sechzehn Jahre alt, als er bei der
Zukunftskonferenz im November 2012 begeistert mitmacht. Steven Nowak „Wir sahen die vielen
tollen Ideen und fragten uns, wie werden sie umgesetzt?“ Er und andere Jugendliche suchen nach
Lösungen. Sie hören von einem Jugendbeirat in Schwarzenbek und stellen fest, so etwas muss es
auch in Niebüll geben. Gesagt, getan. Sie finden motivierte Mitstreiter und gründen am 19. September
2013 den Kinder- und Jugendbeirat Niebüll, kurz: KiJu. Mitmachen können Kinder und
Jugendliche zwischen 12 und 22 Jahren. Steven Nowak wird zum ersten Vorsitzenden des Vorstands
gewählt, der aus sieben Kindern und Jugendlichen besteht.
Bewusstsein für politische Partizipation wecken: „Keine drei Jahre“
Die Ziele sind klar formuliert. Der KiJu will das Bewusstsein für politische Partizipation und die
Abläufe dahinter wecken, über Stadtpolitik informieren und anregen, sich zu beteiligen. Seine
Botschaft: „Man braucht keine drei Jahre, wenn man etwas verändern will.“ Der KiJu setzt Projekte
um wie die „Ich-Für-Kampagne“, die den Bürgerwillen für Jugendliche auf den Punkt bringt. Vor
Kameras fragen sie Schülerinnen und Schüler, wofür sie sind. Ergebnisse sind Antworten wie „Ich für
freies W-Lan“ oder „Ich für Umweltschutz“. Steven Nowak: „Wir haben gehört, Jugendliche wollen
mehr Musik, mehr Kultur, und da haben wir das Kleinkunstfestival „Junge Art“ veranstaltet. Wir
hatten 350 junge Besucher.“ Der Abiturient, der vielleicht Volkswirtschaftslehre oder Internationale
Beziehungen studieren möchte, ist stolz auf die Resonanz, aber macht sich auch schon Gedanken,
wie es weitergeht. Schon jetzt seien sie genügend, um den KiJu die nächsten drei, vier Jahre
fortzuführen. Und sie werden immer bekannter. Dabei helfen soziale Netzwerke wie Facebook. „320
Likes, das hört sich erst einmal nicht viel an, aber im Vergleich mit anderen Kinder- und
Jugendbeiräten gehören wir in Deutschland unter die Top 10“, sagt der Schüler selbstbewusst. Judith
Horn ist immer wieder aufs Neue begeistert von der Gruppe: „Sie sind mit einer solchen Freude und
Ernsthaftigkeit dabei“, und beobachtet fasziniert, wie zielstrebig und konzentriert sie ihre Ziele
verfolgt: „Die jungen Leute sind engagiert und greifen interessante, aktuelle Fragen auf. Zuletzt, das
hat mich berührt, haben wir gemeinsam beratschlagt, wie sie die Kinder von Flüchtlingen ansprechen
könnten.“
Beteiligung fördern, für Verstetigung sorgen
Für den leitenden Verwaltungsbeamten Bernd Neumann, Vorsitzender der CDU-Fraktion Niebüll und
Mitglied der Lenkungsgruppe, ist Beteiligung eine wichtige Voraussetzung, nicht nur für die
Verbesserung der Chancengerechtigkeit: „Wir schauen heute darauf, was der Nutzer will. Beteiligung
ist wichtig, damit wir nicht an ihm vorbeiplanen. Die Gemeinde pflegt diese Kultur.“ Er berichtet von
guten Erfahrungen. So wurde schon in der Vergangenheit ein Kinderspielplatz 1: 1 nach den Ideen
von Kindern selbst umgesetzt. „Und der ist richtig gut geworden“, freut sich Bernd Neumann. „Aber
leider ist es mir nicht gelungen, die Beteiligungskultur in der Hauptsatzung der Stadt Niebüll zu
verankern“, bedauert Gesche Zimmermann. Verstetigung bleibt die Daueraufgabe der Zukunft, damit
Projekte nicht versanden. Axel Scholz sieht es als eine wichtige Kernaufgabe, weitere Menschen, die
sich in der Stadt engagieren wollen, mit einzubeziehen. Er findet es bemerkenswert, dass die AG
Übergänge über einen Zeitraum von zwei Jahren dauerhaft besteht. „Keiner ist abgesprungen“, sagt
ihr Moderator. Trotzdem empfiehlt er selbstkritisch, frühzeitig dafür zu sorgen, „auch Mitstreiter zu
finden, die treibende Rollen einnehmen“, die Verantwortung übernehmen. „Man muss sich
entbehrlich machen.“ Bürgermeister Bockholt lobt die Energie, mit der der Kinder- und Jugendbeirat
seine selbstgesteckten Ziele angeht: „Aber auch dieser Beirat braucht eine Nachhaltigkeit und muss
sich breiter aufstellen.“ Bisher sind im Vorstand fast ausschließlich Jungen vom Gymnasium, mit
Ausnahme von Lena, einer Schülerin der Gemeinschaftsschule.
„Keine Eintagsfliege sein“: Ums Geld kümmern
Die Niebüller sind realistisch und wissen, spätestens nach Auslauf der Begleitung durch die Deutsche
Kinder- und Jugendstiftung müssen die Projekte der Bildungslandschaft auf eigenen Füßen stehen.
Mit der „Niebüller Erklärung“ hat sich die Stadt selbst verpflichtet und will den erreichten Standard
auch halten. Axel Scholz: „Wir haben uns zu diesem Weg bekannt und daran halten wir fest. Von
Anfang an war klar, wir wollen keine Eintagsfliege sein.“
Niebülls nächster Schritt: Bildungsfonds
Die neue Idee ist die Gründung eines Stiftungsvereins. Der Bildungsfonds soll mit unter das Dach des
schon bestehenden Vereins „Niebüller helfen Niebüllern“, der vor 15 Jahren als Weihnachtsfonds
begonnen hat. Bernd Neumann: „Wir wollen den Stiftungsvorstand möglichst breit aufstellen und
viele einbeziehen.“ Bürgervorsteher Christiansen: „In Niebüll weiß man sehr gut, dass Geld benötigt
wird, um etwas zu bewegen“. Steven Nowak bestätigt: „Wir brauchten Mittel für ein bestimmtes
Projekt und bekamen die Unterstützung schnell und unbürokratisch.“ Der Schüler glaubt, dass ein
solcher Konsens lange nicht in allen Kommunen herrscht und lobt, dass man beim Bürgermeister
„immer ein offenes Ohr“ erhält. „Mir ist klar geworden, dass wir hier in Niebüll ein Privileg haben.
Das macht es einfach attraktiver, sich in Niebüll zu engagieren“, konstatiert der Vorsitzende des KiJu.
Niebüller Erfolgsformel: „Schritt für Schritt“
Leitbild, Tag der offenen Tür, Elternflyer, eine Beteiligungskultur in der Gemeinde, ein aktiver Kinderund
Jugendbeirat – viele handfeste Ergebnisse haben die Niebüller während der Programmlaufzeit
von „Bildungslandschaften zwischen den Meeren“ realisiert. Und mit dem Bildungsfonds geht es
weiter. Die Stadt kann zu Recht stolz sein. „Andere fragen uns, wie habt ihr das hingekriegt?“, sagt
Uwe Christiansen. „Öffentlichkeitsarbeit spielt eine große Rolle“, sagt Axel Scholz. So gab es mehrere
Pressegespräche, z. B. bei der Auftaktveranstaltung oder bei der Abschlussveranstaltung. Axel Scholz:
„Wir konnten immer etwas präsentieren. Außerdem haben wir mit Judith Horn, die Pressesprecherin
für das Amt Südtondern, dabei, was sehr hilfreich ist.“ Bernd Neumann: „Wir wissen, wir haben
günstige Voraussetzungen – gute Haushaltslage, Spendenbereitschaft von Bürgern, Stiftungen und
Unternehmen.“ Uwe Christiansen verrät die Niebüller Erfolgsformel: „Langsam, aber stetig verfolgen
wir unseren Weg. Schritt für Schritt.“
„Das Miteinander ist wichtig“
Judith Horn ist stolz, trotz der anfänglichen Schwierigkeiten nicht aufgegeben zu haben: „Mit
Beharrlichkeit sind wir an unser Ziel gekommen.“ Sie freut sich über die Impulse und die Erfahrungen,
die sie aus dem Prozess mitnehmen konnte. „Ich habe gelernt, dass man niemals aufgeben darf.“
Gesche Zimmermann ergänzt: „Wir haben in Niebüll eine ausgeprägte Kultur der gegenseitigen
Unterstützung“. Auch die Experten aus Rosengarten bestätigen die Kooperationsfähigkeit der
Niebüller: „Hohes Engagement, auf allen Ebenen engagierte Menschen, vor allem die perfekte
Zusammenarbeit mit Frau Horn“. Und nicht zuletzt die Rolle des Bürgermeisters, der als treibende
Kraft ein wichtiger Erfolgsfaktor des Prozesses ist. Wilfried Bockholt steht zu hundert Prozent hinter
dem Thema. Er hat das gesamte Gemeinwesen im Blick und will dafür sorgen, dass sich in Niebüll
noch mehr Menschen als bisher engagieren. Gefragt nach seiner Vision für Niebüll antwortet er:
„Eine norddeutsche Kleinstadt mit absolut menschlichem Antlitz.“
Quelle: Prozessreportage Niebüll, Vera Bacchi, 13.1.2015

 

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„Eine ausgeprägte Kultur der Unterstützung.“ Die Niebüller Bildungsplaner Bernd Neumann, Uwe Christiansen, Steven
Nowak, Gesche Zimmermann (v. l. n. r.), Foto: Vera Bacchi

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„Eine ausgeprägte Kultur der Unterstützung.“ Die Niebüller Bildungsplaner Bernd Neumann, Uwe Christiansen, Steven
Nowak, Gesche Zimmermann (v. l. n. r.), Foto: Vera Bacchi 

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„Norddeutsche Kleinstadt mit absolut menschlichem Antlitz“, Bürgermeister Wilfried Bockholt,
Niebüll

bildung in niebuell 4

 

„Präventiv etwas tun, früh anfangen mit der Chancengleichheit“, Axel Scholz, Leiter des Jobcenters
Nordfriesland

 

bildung in niebuell 5 

 

„Mit einer solchen Freude und Ernsthaftigkeit dabei“, Amtsrätin Judith Horn, Amt Südtondern

bildung in niebuell 6

 

 

„Ernst meinen mit der Partizipation“, Jens Zussy, Planen mit Phantasie, Rosengarten

bildung in niebuell 7  bildung in niebuell 8
bildung in niebuell 9  bildung in niebuell10
 bildung in niebuell11  bildung in niebuell12
   
   
   
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