Drei Ministerien wollen die kulturelle Bildung verbessern

Kiel  Für das Land Schleswig-Holstein wurde jetzt das „Jahr der kulturellen Bildung 2014“ ausgerufen.  Nach massiven Einsparungen in den Bereichen Kunst- und Musikunterricht haben es sich gleich drei Ministerien auf die Fahnen geschrieben, diesen Zustand zu ändern. Gestern luden sie die Macher der Kultur im Lande zu einer Auftaktveranstaltung in das Kieler Kulturforum.

Als Kulturministerin ließ es sich Anke Spoorendonk (SSW) nicht nehmen, vom späten Vormittag bis in den Abend hinein persönlich anwesend zu sein. Auch Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) stieß dazu. Nur Sozialministerin Christin Alheit (SPD) als dritte im Bunde musste sich vertreten lassen. Doch dieser Dreierbund hat sich in seltener Einheit entschlossen, der allgemeinen kulturellen Bildungsmisere ein unerwartetes Konzept entgegen zu setzen: Die Kultur soll von außen an die Bildungseinrichtungen kommen. Über Kitas, Schulen oder Volkshochschulen soll gezielt Kindern und Jugendlichen Lust auf Kultur, Kunst, Musik, Theater und Literatur gemacht werden.

Daher sind jetzt neben den staatlichen Bildungsträgern Kultureinrichtungen, Kulturpädagogen und Künstler aller Sparten aufgerufen, sich mit Ideen und konkreten Angeboten einzubringen. Sie sollen sich vernetzen und für 2014 zunächst Modellprojekte auf den Weg bringen, für die man sich bis Ende Februar 2014 bewerben kann. Dafür wurde eigens eine Projektstelle eingerichtet. Fünf mal 5000 Euro Unterstützung wollen die Ministerien 2014 für die beste „KulturKita“ und die vier besten „Kulturschulen“ aufbringen.

„Je früher das Verständnis für die eigene Kultur, für kulturelle Orientierungen und praktische Fähigkeiten gefördert wird“, so Ministerin Spoorendonk, „desto größer sind die Erfolgsaussichten, einen aktiven, zukunftsorientierten Beitrag zum Zusammenleben zu leisten.“ Profis, Ehrenamtler und Stiftungen können sich einbringen. Der Frage, ob damit weitere Stellen für den Kunst- und Musikunterricht abgebaut werden sollen, widersprach die Bildungsministerin vehement – „im Gegenteil, es geht um ein ergänzendes Angebot, und zwar getrennt von Noten“, so Wende. „Es geht um kulturelle Vernetzung.“

Aus Bad Homburg referierte Friederike Schönhuth von der Altana Stiftung, wie sie es schaffen, Schulen ein ganzes Jahr lang dazu zu bringen, wöchentlich einen vollen Vormittag für Kulturprojekte einer Klasse freizumachen. Doch auch hierzulande haben Kreative schon beste Erfahrungen mit ihren kulturellen Interventionen gemacht, etwa die Künstlerin Deborah Di Meglio, die erfolgreich Workshops an einer Schule in Geesthacht anbietet, der Schauspieler Siegfried Jacobs mit seinem Theaterprojekt an der Kieler Berufsschule oder Martin Gries von den Lübecker „Bücherpiraten“. Und der Hamburger Musiker Thomas Himmel ist seit 13 Jahren in diesem Geschäft, dehnt seine Aktivitäten jetzt nach Schleswig-Holstein aus. Längst hat er auch die Freiräume erkannt, welche die Ganztagsschulen in diesen Bereichen eröffnen.  Jens Rönnau

 

Quelle: Sylter Rundschau - 24.09.2013 - Seite 8

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